Über letztes Wochenende ist der Kryptomarkt deutlich eingebrochen. Im Laufe dieser Woche kam es zu weiteren Kursverlusten: Bitcoin (BTC) verlor seine Unterstützung bei 4000€ und Ethereum (ETH) fiel deutlich unter die Marke von 130€. Es ist wichtig, sich vor Augen zu führen, dass Nachrichten, in einem derart volatilen und kaum regulierten Markt, die Preise nur in geringerem Maße beeinflussen können als dies im stark regulierten Aktienmarkt der Fall ist. Diese Rückgang könnten jedoch mit der Entscheidung der US-Börsenaufsicht SEC zusammenhängen, welche den Termin für die endgültige Entscheidung über die Zulassung und den Handel eines Bitcoin ETFs immer wieder verschoben hat.

Die SEC hat sich durch die Macht der Entscheidungsgewalt, Kryptowährungen in den regulierten Markt einführen zu können, als einer der einflussreichsten Akteure im Krypto-Markt positioniert: Die Entscheidungen der Behörde bezüglich der Regulierung von Kryptowährungen lösen regelmäßig signifikante Preissteigerungen bzw. Preisstürze im Markt aus. Daher ist es von besonderem Interesse die Effekte der SEC-Entscheidungen auf den Markt zu beleuchten.

Die SEC betrachtet DAO-Token als illegale Wertpapiere

Datum der Entscheidung: Juli 2017

Marktreaktion: Leicht Bearish

Im Juli 2017 hat die SEC eine wichtige Entscheidung getroffen und damit den Krypto-Markt aufgerüttelt. Die Regulierungsbehörde überprüfte den berüchtigten Fall der dezentralen autonomen Organisation (DAO) und kam zu dem Schluss, dass DAO-Token, die im Jahr 2016 über ihr Initial-Coin-Offerings (ICO) ausgestellt wurden, nach Definition der SEC Wertpapiere waren und daher erst bei der SEC registriert werden müssen um am Markt gehandelt werden zu können.

Mit diesem Schritt zeigte die SEC klar und deutlich, dass viele andere ICOs, von denen es reichlich viele gibt, die im unüberwachten Zeitraum von 2016 bis Januar 2018 frei agieren konnten, ebenfalls in Schwierigkeiten geraten können. Um zu bestimmen, ob ein ICO ein Wertpapier darstellt oder nicht, wendet die SEC normalerweise den Howey-Test an: Grundsätzlich bedeutet dies, dass wenn ein Token als profit-bringender Anlagewert vermarktet wird, dieser von der Aufsichtsbehörde höchstwahrscheinlich als „Security“ (sinngemäß: Wertpapier) eingestuft wird. Allerdings hat die Aufsichtsbehörde auch geäußert, dass diese Entscheidungen von Fall zu Fall getroffen werden, da die Umstände aller Finanztransaktionen verschieden sind, und diese Faktoren deshalb auch in den Entscheidungsprozess mit einbezogen werden. Zwar hat die SEC bekanntgegeben, dass sie gegen niemanden gerichtlich vorgehen werden, allerdings ließ dies deutlich werden, dass der ungebremste ICO-Hype bald vorbei sein könnte. Nichtsdestotrotz reagierte der Markt kaum: Während die Top 5 Coins im Preis fielen hielt sich die Marktreaktion in Grenzen. Ethereum ging um etwa 10 Prozent zurück, erholte sich aber bald wieder auf den ursprünglichen Wert. Dies könnte eher auf Marktvolatilität als auf SEC-Nachrichten zurückzuführen sein.

Die SEC lehnt den zweiten Winklevoss-ETF Antrag ab

Datum der Entscheidung: Juli 2018

Marktreaktion: Leicht Bearish

Die Aussicht auf einen von der SEC regulierten Bitcoin-ETF, wurde in der Krypto-Community ausführlich diskutiert. Viele Experten glauben, dass dieser zur Massennutzung von Kryptowährungen beitragen wird und die Preise erheblich steigern könnte, während viele Kritiker skeptisch bleiben. Die SEC muss entscheiden, ob die Krypto-Branche bereit für einen ETF ist. Dabei wirkte die Behörde bisher nicht besonders optimistisch.

Unabhängig vom Ausgang der Entscheidung reagiert der Markt auf die meisten ETF-bezogenen Nachrichten. Ein krasses Beispiel ist die kürzlich erfolgte Verweigerung des Zweitantrags der Winklevoss-Zwillinge zu einem Bitcoin-ETF durch die SEC am 26. Juli 2018. Die SEC war von dem Antrag, welcher Bitcoin-Märkte als „inhärent resistent gegen Manipulation“ beschrieb, nicht überzeugt und lehnte den Antrag basierend auf der Einschätzung, dass der Krypto-Markt zu anfällig für Manipulation ist, ab.

Wie bereits erwähnt, hatten die Winklevoss-Zwillinge bereits zuvor versucht, einen Bitcoin-ETF bei der SEC zu registrieren – ihr erster Versuch war 2013. Damals brauchte die SEC vier Jahre, um eine Entscheidung zu treffen: Schließlich hat die Behörde am 10. März letzten Jahres den ursprünglichen Antrag abgelehnt, da Bedenken bestanden, „dass bedeutende Märkte für Bitcoin nicht reguliert sind“.

Beide Male hat der Markt negativ reagiert. Im März 2017 fiel der Preis von Bitcoin an einem einzigen Tag von 1.300 auf 1.100 US-Dollar. Im Juli 2018 verlor BTC innerhalb von nur drei Stunden mehr als 400 US-Dollar, konnte innerhalb der folgenden 24 Stunden den Preisverlust aber wieder gut machen – die Äußerungen von SEC-Kommissar Hester M. Peirce, die kurz nach der Anhörung veröffentlicht wurden halfen bei diesem Rebound. In ihrer Erklärung sagte sie, dass der Schritt der Aufsichtsbehörde zeigt, dass „Innovation in unseren Märkten unerwünscht ist und dies ein Signal der SEC ist, welches weit über das Schicksal von Bitcoin ETPs [Exchange Traded Products] hinausgeht.“

Die SEC lehnt den VanEck-SolidX-ETF-Antrag ab

Datum der Entscheidung: August 2018

Marktreaktion: Extrem Bearish

Ähnlich wie in den vorherigen Fällen, weist diese katastrophale Woche im Krypto-Markt eine Verbindung zur SEC auf. Diese hatte ihre Entscheidung zur Zulassung eines Bitcoin-ETF-Antrags, welcher von der Investmentfirma Vaneck und Finanzdienstleister SolidX eingereicht wurde, auf den 30. September 2018 verschoben.

Der VanEck SolidX ETF-Antrag wurde im Juni 2018 eingereicht und galt allgemein als die vielversprechendste unter den Krypto-ETFs: Der Antrag enthielt keine übertriebenen Annahmen, im Gegensatz zu dem der Winklevoss-Zwillinge, die behaupteten, BTC-Märkte seien „inhärent resistent gegen Manipulation“. Darüber hinaus ist der VanEck SolidX Fonds physisch abgesichert – was bedeutet, dass er echte BTC physisch halten wird – und beide Firmen haben versichert, dass dies vor Verlust oder Diebstahl der Kryptowährung schützen wird. Laut ihres Antrags bei der SEC wird ein Anteilsschein des VanEck SolidX Bitcoin-ETFs 200.000 US-Dollar kosten. Daniel Gallancy, CEO von SolidX, erläuterte gegenüber CNBC, dass der Preis so hoch ist, da man sich auf institutionelle Investoren konzentrieren möchte, und Hoffnung besteht an der CBOE BZX Equities Exchange gelistet zu werden.

Am 7. August 2018 veröffentlichte die SEC ein Dokument in dem die Behörde auf ihr Recht verwies den Prüfungszeitraum zu verlängern. Sie gab auch an, dass die Behörde mehr als 1.300 Kommentare zum vorgeschlagenen Antrag erhalten hatte, den VanEck SolidX BTC-ETF zu listen und zum Handel freizugeben. Gemäß dem Dokument gab die SEC bekannt, innerhalb von 45 Tagen nach der Einreichung des Antrags – dieser wurde am 6. Juni eingereicht – oder innerhalb von 90 Tagen, sollte die Kommission dies für notwendig erachten, den Antrag zu genehmigen, abzulehnen oder den Entscheidungszeitraum zu verlängern.

Obwohl die Nachricht eher neutral wirkte und im Wesentlichen bedeutete, dass die SEC einfach mehr Zeit braucht, um zu entscheiden, ob die Kryptoindustrie im Moment für einen ETF bereit ist, setzte im Markt Panik ein und es kam zu einem Preiseinsturz: Nach solidem Klettern über die 7.000 $ -Marke am Tag zuvor, verlor BTC in sechs Stunden rund 500 Dollar an Wert und über die Woche rund 12 Prozent. Zu selbem Effekt kam es auch bei anderen Coins – Ripple (XRP) beispielsweise verlor bis zu 23 Prozent.

Auf der anderen Seite, wurden bullische Nachrichten auf dem Markt, wie die Ankündigung des bevorstehenden Kryptowährung-Projekts Bakkt von der Intercontinental Exchange (ICE), welche 23 globale Börsen – einschließlich der New York Stock Exchange (NYSE) betreibt – weitgehend ignoriert. In einem Interview mit CNBC behauptete Dan Moreheit, CEO von Pantera Capital, dass Investoren auf die Verschiebung der Entscheidung durch die SEC überreagierten. Er warnte, dass eine ETF-Genehmigung für Bitcoin „ziemlich viel Zeit“ beanspruchen werde und begründete dies mit dem jungen Alter der Blockchain-Technologie. Der Hedge-Fonds-Manager betonte auch, dass der jüngst zugelassene ETF, der von der SEC genehmigt wurde,  ein ETF auf Kupfer sei, ein Metall, dass „seit 10.000 Jahren auf der Erde existiert“.

SEC und CFTC kamen in einem gemeinsamen Meeting zu der Erkenntnis das Kryptowährungen wichtig und relevant sind

Datum: Februar 2018

Marktreaktion: Stark Bullish

Am 6. Februar 2018 veranstaltete die SEC – gemeinsam mit der Commodities and Future Trading Commission (CFTC) – eine mit Spannung erwartete gemeinsame Anhörung, in der sie ihre Haltung gegenüber Kryptowährungen, ICOs und Blockchain-Technologie erläuterten. Während des Treffens lobten die Aufsichtsbehörden die Kryptowährungen und bezeichneten diese als technologische Weiterentwicklung des Finanzsystems. Sie betonten die Notwendigkeit fairer regulatorischer Rahmenbedingungen und äußerten das inzwischen berühmte Zitat, „wenn es keinen Bitcoin gäbe, gäbe es keine Blockchain“.

Wie zu erwarten löste dies in der Community positive Reaktionen aus und führte zu einem bullischen Trend im Krypto-Markt. Besonders da zur gleichen Zeit Chinas Regierung ihre negative Stellung zu Kryptowährungen bekannt gab, es aus Indien Gerüchte zu einem Verbot von Kryptowährungen gab und große Banken den Kauf von Kryptowährungen mit Kreditkarten verboten hatten sorgte diese Nachricht für Euphorie. Nachdem die SEC/CFTC ihre positive Haltung gegenüber einigen Bereichen der Krypto-Industrie gezeigt hatte, erzielten Bitcoin und Ethereum einen Wertzuwachs von rund 20 Prozent, und auch der Rest des Krypto-Marktes konnte sich erholen.

SEC gibt Entwarnung – BTC und ETH „keine Securities“

Datum: Juni 2018

Marktreaktion: Leicht Bullish

Der Ansatz der SEC zur Regulierung von Kryptowährungen ist noch nicht ganz klar. Aus bisherigen Aussagen der Behörde lässt sich jedoch schließen, dass diese die meisten ICOs als „Security“ betrachtet, welche eigentlich von der SEC reguliert werden müssen, jedoch die zwei größten Kryptowährungen – Bitcoin (BTC) und Ethereum (ETH) – nicht als solche ansieht. Dieser Standpunkt wurde kürzlich von Jay Clayton, dem Vorsitzenden der SEC, zum Ausdruck gebracht, der erklärte, dass BTC kein Wertpapier ist, da es als Ersatz für Staatswährungen fungiert:

„Ersetzen Sie den Dollar, den Yen, den Euro durch Bitcoin. Diese Art von Währung ist keine Security.“

Kurz nachdem die Nachricht bekannt wurde, stieg der Preis von Bitcoin innerhalb von 24 Stunden von 7.525 USD auf 7.728 USD und zeigte einen leichten Kursanstieg.

Ein paar Tage später behauptete William Hinman, der Direktor der Abteilung für Unternehmensfinanzierung der SEC, dass Ethereum (ETH) ebenfalls keine Sicherheit sei und beendete ein monatelanges Dilemma, das möglicherweise damit enden hätte können, dass Ethereums ICO als unrechtmäßig erklärt worden wäre.

„Abgesehen von der Art des Fundraisings zum Zeitpunkt der Erschaffung Ethers, basierend auf meinem Verständnis des heutigen Ethers, des Ethereum-Netzwerks und seiner dezentralen Struktur, sind aktuelle Angebote und Verkäufe von Ether keine Wertpapiertransaktionen. […] Und, ähnlich wie bei Bitcoin, würde die Anwendung der Security Regulierung auf aktuelle Ether-Transaktionen wenig Sinn ergeben.“

Dieses Signal war für ETH extrem positiv, da das Risiko einer Anklage durch die SEC wegfiel. Folglich stieg der Preis von Ether um 11 Prozent auf bis zu 520,68 Dollar.

Die SEC appelliert an Krypto-Börsen sich bei der Aufsichtsbehörde zu registrieren

Datum: März 2018

Marktreaktion: Leicht Bearish

Im März 2018 veröffentlichte die SEC eine öffentliche Warnung, die an Krypto-Börsen gerichtet war. Die Aufsichtsbehörde erklärte ausdrücklich, dass Plattformen, die „Wertpapiere“ handeln – und die SEC betrachtet viele Altcoins als solche – „sich bei der SEC als nationale Wertpapierbörse registrieren oder von der Registrierung befreit werden müssen.“ Die Ankündigung lautete:

„Die Mitarbeiter der SEC haben Bedenken, dass viele Online-Handelsplattformen für Anleger den Schein einer SEC-registrierten und eines regulierten Marktplätzes erwecken, obwohl dies nicht der Fall ist. Viele Plattformen bezeichnen sich selbst als „Börsen“, was den Anlegern den falschen Eindruck vermitteln kann, dass sie reguliert sind oder die regulatorischen Standards einer nationalen Wertpapierbörse erfüllen.“

Daher wurden wichtige Krypto-Börsen aufgefordert, die Vorschriften der SEC einzuhalten, was unter anderem einen starken Know-Your-Customer (KYC) – und Anti-Money-Laundering (ATL) – Ansatz mit sich brachte. Einige große US-Börsen wie Coinbase haben seitdem versucht sich bei der Behörde als registrierten Marktplatz zu registrieren.

Die Nachrichten führten zu einem spürbaren Abwärtstrend im Markt: BTC fiel um 8,6 Prozent zum Vortag und brach durch die $ 10.000 Unterstützung. Die Kursverluste könnte jedoch durch andere Faktoren ausgelöst worden sein, wie beispielsweise Gerüchte über einen angeblichen Binance-Hack, welche zur selben Zeit im Umlauf waren.

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