Wenn darüber gesprochen wird, im Kontext von Kryptowährungen das weltweite Finanzsystem zu revolutionieren, ist es auch wichtig zu betrachten, welche Kräfte aktuell unser Geld kontrollieren. Welche Vor- und Nachteile hat unser aktuelles Geldsystem. Dieser Artikel soll einen Überblick über die Evolution des Geldes geben: Woher kommt es, warum benutzen wir es, wer und was beeinflusst Geld und was bedeutet das alles für uns?

Im Vereinigten Königreich steht auf allen Banknoten ein kleiner Satz, der einen guten Ausgangspunkt für die Erkundung der Historie von Währungen darstellt: „Ich verspreche, dem Inhaber auf Verlangen die Summe von zwanzig Pfund zu zahlen.“ Auch wenn man noch nie eine britische Banknote gesehen hat, ist diese Aussage immer noch relevant für Geld, das wir heutzutage täglich verwenden.

Was bedeutet dieser Satz überhaupt? Wenn man darüber nachdenkt, macht er wenig Sinn. Wenn man etwas mit einer Banknote bezahlt, zahlt man dem Verkäufer doch genau diesen Geldbetrag, statt ihm eine Art Schuldschein zu geben?

Um zu verstehen, was diese Aussage bedeutet und wie sie mit Bitcoin in Verbindung steht, muss man zuerst die die Geschichte von Währungen betrachten.


Die Geschichte der Währungen

Es ist sehr schwierig für jede einzelne Person oder Familie alle ihre Bedürfnisse selbst zu erfüllen und es ist daher definitiv produktiver Arbeit aufzuteilen und denjenigen Aufgaben zuzuteilen, die diese am besten ausführen können. Seit jeher haben Menschen dieses Problem durch den Handel gelöst.

Unterschiedliche Güter und Dienstleistungen erfordern jedoch unterschiedlichen Zeitaufwand, Material und Fähigkeiten.

Theoretisch könnten alle ihre Produkte oder Dienstleistungen gegeneinander tauschen. Jemand baut ein Haus für eine andere Person, die dafür im Gegenzug den Hausbauer in zwei Wochen mit Fleisch versorgt. Aber was passiert, wenn der Hausbauer kein Fleisch möchte oder niemand ein neues Haus braucht? Oder wenn es einen Sturm gibt und plötzlich viele Menschen neue Häuser wollen, aber der Hausbauer nicht so viel Fleisch braucht oder lagern kann?

Wir brauchten ein universelles System zur Übertragung immateriellen Wertes zwischen Menschen.

So entstanden ursprünglich Währungen. Irgendwann erkannten Menschen, dass der Handel ihr Leben besser machte. Man brauchte nur ein besseres System, um diesen effizienter abzuwickeln. Dies war besonders wichtig als sich Handelsverbindungen zwischen Städten und Ländern gebildet haben.

Frühere Währungen waren Güter, wie Salz oder Vieh, die intrinsischen Nutzen hatten. Wenn jemand mit einer Kuh bezahlt, kann der Empfänger diese für Zucht und Milch nutzen, sie für Fleisch und Leder schlachten oder sie dafür benutzen jemand anderen zu bezahlen.

Zwar waren Güter als Währung besser als der direkte Tauschhandel, aber es war immer noch schwierig den Erlös zu teilen und an verschiedene Personen weiterzugeben. Eine Kuh ist vielleicht für große Einkäufe ein geeignetes Zahlungsmittel, aber was, wenn man nur etwas Kleines kaufen möchte oder der Verkäufer keine Kuh als Zahlungsmittel akzeptiert? Eine Kuh ist schwierig zu transportieren, kann krank werden oder plötzlich sterben. Plus, die Kuh muss gefüttert werden und irgendwo gehalten werden.

Daher die Notwendigkeit einer Währung: ein transportables, teilbares, austauschbares, vertrauenswürdiges System für den Austausch von Werten.

Uneinheitliche Wertspeichersysteme in verschiedenen Teilen der Welt konvergierten allmählich hin zur Münze: Bis heute sind Metallscheiben mit Gold, Silber und Kupfer als Wertaufbewahrungsmittel sehr beliebt. Edelmetallmünzen sind knapp, nicht zu sperrig für den Transport, in verschiedenen Stückelungen erhältlich und haben einen genau definierten Wert.

Dennoch sind Edelmetalle problematisch durch aufwändigen Transport (vor allem für größere Transaktionen). Metalle sind schwer und müssen gut gesichert werden, damit sie nicht gestohlen werden können. Somit entwickelten sich Währungen weiter, hin zu einer Einheit, die eine bestimmte Menge an Edelmetall darstellt. Dann zu einer Währungsform, die an sich keinen Wert hat, aber als ein Medium für den Tausch und Handel und als vertrauenswürdiges Mittel für die Wertaufbewahrung dient.


Das Aufkommen repräsentativer Währungen

Repräsentative Währungen sind wie eine Quittung für ein wertvolles Material. Sie sind:

  • Hergestellt aus preiswerten Materialien wie Papier oder Kupfer.
  • Stellen einen festgelegten Wert in Edelmetallen dar, normalerweise Gold oder Silber.
  • Ausgegeben von einer Regierung oder einer Bank, die die Edelmetalle lagern.
  • Können im Austausch für Waren und Dienstleistungen zwischen Menschen als Zahlungsmittel genutzt werden.

Deshalb bedeuteten die Worte „ich verspreche, dem Inhaber auf Nachfrage die Summe von zwanzig Pfunden zu zahlen “ auf einer 20-Pfund-Note damals, dass der Inhaber die Banknote für Edelmetall im Wert von 20 Pfund eintauschen konnte.

Es wird vermutet, dass dieses System vor über 2500 Jahren in China entstanden ist, als Menschen anfingen Einzahlungsquittungen für Edelmetalle als Zahlungsmittel zu verwenden. Ein Händler, der eine Quittung akzeptierte, wusste, dass er sie für den entsprechenden Wert des Lagerwertes einlösen konnte, daher hatte er effektiv den gleichen Wert nur in Papierform. Nach Jahrhunderten begann die chinesische Regierung damit, formelle Banknoten auszugeben und entwickelte schließlich ein nationales Währungssystem.

Edelmetalle als Währungen waren zwar um einiges praktischer als Güter, aber Banknoten waren exponentiell einfacher zu verwenden. Papier ist leicht und viel sicherer zu transportieren.

Aber, wie wir bereits gesehen haben, kann man heute nicht in eine Bank gehen und eine Banknote gegen einen Goldbarren eintauschen. Warum nicht?

Weil die repräsentative Währung von der Fiat-Währung abgelöst wurde.

Der nächste Evolutionsschritt: Fiat-Währung

Die Währung heute in Ihrem Portemonnaie oder auf Ihrem Bankkonto ist Fiat-Währung. Diese ist nicht mehr durch verschiedenste Edelmetalle abgesichert. Sie können keine 20-Pfund-Note für Gold eintauschen, weil die Banken keine Goldreserven halten, die der heutigen Umlaufwährung entsprechen.

Warum sollte man Gold in einem Banktresor aufbewahren, wenn man die gleichen Vorteile im Alltag genießen kann, ohne jemals Edelmetalle besitzen zu müssen? Wir haben dieses System entwickelt, weil die Banken festgestellt haben, dass viele Menschen damals nicht mehr zurückgekommen sind, um ihre Einlagen abzuholen, und stattdessen Zahlungen mit den Einlagen-Quittungen tätigten.

Fiat-Währung hat keinen intrinsischen Wert.

Regierungen schaffen Knappheit, indem sie die Geldmenge beschränken, die gedruckt werden kann. Wenn Regierungen mehr Banknoten drucken, sinkt der reale Wert der Währung (die Menge an Dingen, die man mit ihnen kaufen kann sinkt).

Dies ist immer wieder im Lauf der Geschichte geschehen und erreichte oft den Punkt, an dem Menschen einen Koffer voll Geld brauchten, um einen Laib Brot zu kaufen. Im Extremfall kann eine Währung so wertlos werden, dass eine Nation sie komplett verschrottet und die Währung reformiert werden muss.

Der Wert der Fiat-Währung basiert ausschließlich auf ihrer Wahrnehmung. Weil Banken Fiat-Währungen akzeptieren, sehen wir diese als wertvoll an. Weil andere sie als Bezahlung akzeptieren, sehen wir sie als wertvoll an.

Das ist keine Verschwörung – es ist ein kluges System, das unser Leben in vielerlei Hinsicht erleichtert.


Ohne Repräsentative Währungen und Fiat-Währung würde es unser modernes Finanzsystem nicht geben

Da damals so wenige Leute ihre Einlagen wieder abholten, begannen die Banken damit, Banknoten zu drucken, die den Gesamtwert ihrer Edelmetallbestände überstiegen. Dies bedeutete, dass sie zusätzliche Kredite vergeben konnten und somit auch zusätzliche Zinseinnahmen generieren konnten.

Nur wenn alle Kunden einer Bank versuchten, ihre Einlagen sofort abzuholen (auch bekannt als „Bank-Run“), würde das ganze System zusammenbrechen (auch Bankrott genannt).

Wenn Sie Geld in einer Bank hinterlegen, geben Sie dieser die Erlaubnis, dieses an andere Personen zu verleihen. Die Gewinne, die die Bank daraus erzielt sind die Bezahlung der Bank für die sichere Lagerung Ihres Geldes.

Ihr Geld befindet sich nicht irgendwo in einem Tresor. Es reist um die Welt, hilft jemand anderem, ein Haus zu kaufen, ein Geschäft zu gründen oder das Kreditkartenlimit auszureizen.


Eine Währung muss teilbar, knapp, beständig, übertragbar und austauschbar sein

Alles kann als Währung zählen, vorausgesetzt, es erfüllt die fünf Funktionen des Geldes:

  • Teilbarkeit – gliedert sich in kleinere Einheiten (z.B. ein Pfund teilt sich in Pence)
  • Knappheit -  es muss ein begrenztes Angebot bestehen (das Angebot von Gold ist durch die Menge begrenzt, die abgebaut werden kann)
  • Haltbarkeit -  sie hält sich auch dann gut, wenn sie zwischen Menschen ausgetauscht wird (moderne Banknoten beispielsweise sind wasserdicht)
  • Übertragbarkeit -  einfach zwischen Personen austauschbar
  • Fungibilität –  einzelne Einheiten müssen austauschbar sein (z.B. jede £1 Münze hat den gleichen Zahlungswert wie jede andere £1 Münze)

Währung ist kein bestimmtes Material, Design oder etwas dergleichen. Wenn Menschen etwas als Mittel zum Wertaustausch nutzen können und wollen, ist es eine Währung.

Vertrauen ist wichtig

Eine Währung kann nur dann überleben, wenn die Leute, die sie verwenden, dem Emittenten vertrauen und sich darauf verlassen können, dass die Währung ihren Wert beibehält. In Zeiten der Ungewissheit (einschließlich Hyperinflation) wenden sich viele Menschen von der von Regierungen ausgegebenen Währungen ab und wenden sich anderen Wertgegenständen wie Edelmetallen zu. Das bringt uns zu Bitcoin.


Bitcoin – der nächste Schritt in der Währungsevolution?

Bitcoin wird von vielen als logischer nächster Schritt in der Währungsevolution angesehen. Es erfüllt alle Schlüsselmerkmale für Währungen perfekt und es ist zusätzlich auch noch besser für unsere vernetzte Welt von Heute geeignet als Fiat-Währung. Bitcoin ist:

  • Teilbar – ein Bitcoin ist teilbar in Einheiten bis zu einem hundert-millionstel Bitcoin
  • Knapp – das Gesamtangebot ist auf 21 Millionen Bitcoin limitiert, was der Kryptowährung Wert gibt
  • Haltbar – da Bitcoin in physischer Form nicht existiert, kann es sich nicht abnutzen
  • Übertragbar – Bitcoin ist digital, so dass es überall und jederzeit übertragbar ist
  • Fungibel – jeder Bitcoin ist im Wert zu jedem anderen Bitcoin gleich.

Für jemanden, der seine Einkäufe damals mit Salz bezahlt hat, wäre die Idee, eine Goldmünze zu verwenden, verrückt. Für Leute, die an den Goldstandard gewöhnt waren, war die Fiat-Währung ein enormer Schock und trieb viele Volkswirtschaften in Aufruhr, die allgemeine Nutzung von Kreditkarten wurde erst nach über 20 Jahren erreicht.

Änderungen an der Funktionsweise einer Währung waren schon immer eine Herausforderung.

Bitcoin bleibt umstritten, weil es neu und anders ist als das, was wir bisher gewohnt sind. Aber wenn man sich anschaut, wie sich Währungen im Laufe der Zeit weiterentwickelt haben wird man feststellen, dass sich Menschen immer auf das System zubewegt haben, das zur aktuellen Zeit am sinnvollsten war. Gerade heute sind Kryptowährungen sehr sinnvoll. 

Alles wird digitalisiert. Vom Handel, der heute überwiegend online stattfindet bis hin zum verarbeitendem Gewerbe mit dem Internet of Things. Heute noch mehrere Tage auf internationale Überweisungen warten zu müssen und Banken, die nur an fünf Tagen in der Woche von 9 Uhr bis 17 Uhr verfügbar sind, wirkt schon fast archaisch. Es ist an der Zeit unser in die Jahre gekommenes Finanzsystem zu revolutionieren und weiterzuentwickeln. Kryptowährungen und Blockchain werden dabei eine zentrale Rolle spielen.

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